Bevor wir uns das Landesklinikum Wiener Neustadt, seine Geschichte, die
derzeitige Situation und vor allem seine Zukunft ansehen, werfen wir einen
kurzen Blick in die Vergangenheit der Gesundheitsversorgung.

Die Heilstätten im Altertum Enthaltsam sein, meditieren und die Heilung erträumen

In der griechischen Antike wurde Asklepios, von den Römern später Aesculapius genannt, als Gott des Heilens verehrt. Menschen mit Gebrechen aller Art pilgerten zu seinen Kultstätten, um dort Linderung und Heilung zu erlangen.

Der Kult dieses mächtigen und volkstümlichen Vertreters der griechisch-
römischen Götterwelt blühte nahezu ein Jahrtausend in der Antike. Weit über 300 Asklepieien (wie die Heilkultzentren genannt wurden) gab es auf dem
griechischen Festland, den ägäischen Inseln, im ionischen Kleinasien, aber auch in Nordafrika, in Italien und im gallisch-germanischen Raum. Das Asklepieion von Epidauros, das von Korinth, Athen und Kos, jenes von Pergamon und zuletzt das von Rom sind wohl die berühmtesten Beispiele solcher antiker Krankenanstalten.

Der Heilung Suchende reiste allein oder in einer Gruppe mit Angehörigen und Bediensteten zu einem Heilkultzentrum. Er führte ausreichend Proviant und Opfergaben mit, kleidete sich in ein weißes weites Gewand, meditierte und sprach Gebete und Hymnenverse. In meist großzügig ausgebauten Badeanlagen konnte er seinen Körper reinigen. Er übte Enthaltsamkeit im Essen, Trinken und im sexuellen Bereich.

Nach intensiver Vorbereitung begab sich der Kranke zur Nacht ins Abaton (Halle für den Tempelschlaf), in der Hoffnung, der Gott erscheine ihm im Traum und führe eine Heilung herbei. Wurde er gesund, bezahlte er ein angemessenes Honorar an die Tempelverwaltung und stiftete eine Stele, auf der sein Fall geschildert und das Heilungsergebnis dokumentiert wurde. Rund 70 solcher Heilungen sind in Epidauros noch zu sehen.

Die Entwicklung des "Hospitals" im Mittelalter Caritas – Sorgen für die Mitmenschen im Hospital

Sobald die Kirche im frühen Christentum nach dem Jahre 313 den Schutz des Staates genoss, begann sie, eigene Häuser zur Aufnahme reisender Glaubensgenossen, zum Schutz für Arme, Kranke, Witwen und Waisen zu errichten. Für diese Herbergen bürgerte sich im Weströmischen Reich und später im westlichen Abendland nördlich der Alpen die Bezeichnung "Hospital" (von lat. hospitalis = gastlich) ein.

Die Motivation für die Sorge um jene Mitmenschen, die sich im Elend (aus althochdeutsch eli-lenti = Ausland, Verbannung, Not) befanden, krank oder arm waren, findet sich in den Evangelien: Das Neue Testament hat die Tröstung und Sättigung der Armen und Kranken zu einem seiner wichtigsten Themen gemacht. Im Lukasevangelium etwa sagt Jesus zu einem reichen Pharisäer: "Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Wohl dir, denn sie können es dir nicht vergelten." (Luk 14,13 – 14)

Zusammen mit vielen anderen Bibelstellen über die geforderte Hilfe für Menschen in Not entstand der Gedanke und der Begriff der christlichen Caritas, der seit der frühchristlichen Zeit ein Grundbestandteil der abendländischen Kirche war und heute noch ist.

Daraus ergab sich, dass Spitäler religiös-soziale Einrichtungen der Kirche darstellten. Die erste Blüte und Ausbreitung der Hospitäler hängt daher auch eng mit der Errichtung neuer Bischofssitze und der Ausbreitung frühmittelalterlicher Klostergemeinschaften zusammen. Die Klosterkultur pflegte das aus der Antike überlieferte medizinische Wissen sowie die Pflege der Kranken. Ritterorden und die Reformorden des Hochmittelalters, allen voran die Zisterzienser, gaben dem Hospitalwesen neue Impulse.

Von Badern und Wundärzten Lernen und behandeln aus dem, was die Erfahrung lehrt

Mit dem zweiten Laterankonzil (1215) fand diese Tradition ein Ende. Das Konzil verbot nämlich den Klerikern, sich mit der operativen Medizin zu befassen ("Ecclesia abhorret a sanguine" – Die Kirche hüte sich vor dem Blut!). Man beschäftigte sich in den Klöstern zwar weiterhin mit der Krankenpflege unter Anwendung von Heilkräutern und heilkräftigen Tinkturen, überließ aber die chirurgische Behandlung der Kranken von nun an den Laien. Chirurgenschulen, im 13. Jahrhundert in Frankreich entstanden und später über ganz Europa verbreitet, bemühten sich, so wie die auf den Universitäten ausgebildeten Medici, um die Weiterentwicklung der Medizin. Ihre Zahl reichte aber bei weitem nicht aus, um die Bevölkerung medizinisch zu versorgen. Die breiten Schichten des Volkes mussten sich den sogenannten Badern, später den Wundärzten anvertrauen.

Die Bader stützten sich ausschließlich auf ihre handwerkliche Berufserfahrung, die sie in ihrer ursprünglichen Aufgabe, der Betreuung von Badstuben, versahen. Die Zurichtung von Bädern zur Körperpflege, das Haarschneiden, Rasieren und Bartstutzen bei ihren Kunden war ihre Hauptaufgabe. Später übernahmen sie auch medizinische, vor allem chirurgische Aufgaben. Wunden und Knochenbrüche wurden schlecht und recht versorgt, Zähne gezogen, Bruchoperationen vorgenommen, ja sogar hin und wieder Amputationen durchgeführt – alles ohne Narkose. Der Aderlass, das Setzen von Schröpfköpfen und Blutegeln sowie das Verabreichen von Salben, Pflastern und Heilkräutern ergänzten oder unterstützten die chirurgischen Eingriffe. Häufig wird die Tätigkeit der Bader und in späterer Zeit die der Wundärzte heute abschätzig beurteilt und glossiert. Wohl ein wenig zu Unrecht, denn die Vorläufer der heutigen Ärzte waren nach besten Kräften bemüht, bei Unfällen und Krankheiten zu helfen, Gebärenden und Sterbenden beizustehen.

Der Bader wurde in Österreich erst 1770 durch den geprüften Wundarzt abgelöst, der unter der Kontrolle eines "chirurgischen Gremiums" eine Ausbildungszeit
hinter sich bringen musste, bevor er sich um seine Niederlassung bemühte.

Freilich mutierte das Badhaus im Laufe der Zeit auch zu einer Stätte des Vergnügens. Männlein und Weiblein unterhielten sich gemeinsam im Badezuber auf einer gedeckten Tafel beim Festschmaus und anderen Tätigkeiten trefflich.

Historischer Wandel der Funktion des Krankenhaus- wesens

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Statue des Asklepios im Museum des antiken Theaters von Epidauros

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Asklepieion von Kos
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Die Zwillingsbrüder Cosmas und Damian (gestorben 303 in der heutigen Türkei) waren Ärzte und Märtyrer und sollen unentgeltlich Kranke behandelt haben. Der Legende nach gelang ihnen sogar eine Beintransplantation. Mittelalterliche Wundbehandlung,
Holzschnitt, Holbein, 1537


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Der Totentanz - einer von 40 Holzschnitten zum Thema von Hans Holbein dem Jüngeren