Ein Krankenhaus zu finanzieren ist eine schwierige Aufgabe. Vielen
Gemeinden in Niederösterreich wuchsen um die Jahrtausendwende die
Aufwendungen für ihre Krankenhäuser über den Kopf. Der stetige Zuwachs an
medizinischem Wissen – man spricht mittlerweile von einer Halbwertszeit von nicht einmal mehr fünf Jahren – trieb die Kosten enorm in die Höhe. Neue Therapiemöglichkeiten, neue Medizintechnik und Großgeräte wie MR und CT, die wesentlich mehr können als die vorherige Generation, erhöhten den Kostendruck zusätzlich.

In Niederösterreich, das im Gegensatz zu den anderen Bundesländern nie Ordensspitäler hatte, kristallisierte sich ab der Jahrtausendwende eine Idee mit viel Charme heraus: Alle Krankenhäuser unter einem Dach zu vereinen, damit einerseits Synergien durch die wesentlich größere Einheit gehoben werden können. Andererseits ermöglicht eine Holding-Struktur das gezielte Steuern der Leistungen und unterbindet gleichzeitig den im Spitalswesen sonst stark grassierenden Konkurrenzdruck um Patienten und damit um Leistungspunkte und Geld.

Die finanzielle Situation spitzte sich in den Nuller-Jahren in allen betroffenen Gemeinden so zu, dass viele nicht einmal mehr das Nötigste in den Krankenhäusern finanzieren, geschweige denn Investitionen in die Substanz tätigen konnten. So wanderte Haus um Haus unter das Dach der NÖ Landeskliniken-Holding und in die Rechtsträgerschaft des Landes Niederösterreich. Bis heute ist die NÖ Landeskliniken-Holding damit beschäftigt, den aus der teils verzweifelten finanziellen Situation der Gemeinden erklärbaren Nachholbedarf bei den ehemaligen Krankenanstalten zu beheben.

Größter Klinikbetreiber Österreichs

Die NÖ Landeskliniken-Holding ist der größte Gesundheits-Dienstleister
Österreichs. Als Betriebsführer der Krankenhäuser, die sich im Eigentum des Landes Niederösterreich befinden, trägt sie durch das Schaffen entsprechender Rahmenbedingungen im medizinischen, pflegerischen und kaufmännischen Bereich wesentlich zur Gestaltung der Arbeit in den Kliniken bei. Sie unterstützt die Kliniken einerseits dabei, dass durch entsprechende Rahmenbedingungen die Gesundheitsversorgung in allen Häusern auf dem Stand des medizinischen Wissens und in gesicherter Qualität geschieht, andererseits die betriebswirtschaftliche Führung der Häuser als Teil eines Konzerns erfolgen kann. Ebenso trägt aber auch das Landesklinikum Wiener Neustadt wie jedes andere engagierte Krankenhaus zur Gestaltung der NÖ Landeskliniken-Holding bei. Und diese Konstellation eines engen Miteinanders in der Region und im ganzen Land ist zu Beginn eine ungewohnte Herausforderung für die bisher eigenständig agierenden Gemeinde-Krankenhäuser.

Ein neuer Weg

Als das a.ö. Krankenhaus Wiener Neustadt mit 1. Jänner 2008 unter das Dach der NÖ Landeskliniken-Holding kam, existierte diese bereits seit zweieinhalb Jahren in dieser Form. Engagierte Teams arbeiteten in der Holding-Zentrale, den Regionalmanagements und in den einzelnen Klinik-Standorten bereits am Entstehen einer konzernalen Struktur. 16 Klinik-Standorte waren am 1. September 2005 bereits unter dem Dach der Holding versammelt, als im Landtag das Gesetz über die Errichtung der NÖ Landeskliniken-Holding in Form eines Fonds mit eigener Rechtspersönlichkeit beschlossen wurde. Schon drei Monate später kamen sechs weitere Standorte dazu, Anfang 2007 zwei und Anfang 2008 die letzten drei, die die NÖ Landeskliniken-Holding komplettierten.

Was bedeutet ein so rasantes Wachstum durch Übernahmen derartig großer Einheiten mit hunderten, ja tausenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für eine medizinisch-wirtschaftliche Einheit? Es ist eine beispiellose Herausforderung: 27 Häuser, jeweils mit einer eigenen, durch viele engagierte Menschen geprägten Geschichte, 27 unterschiedliche Strukturen mit ihren eigenen Problemen und Stärken, 27 verschiedene EDV-Konzepte, beruhend auf zahllosen Einzelentscheidungen, 27 divergierende Leitbilder für die jeweils eigene engagierte Arbeit zur Versorgung der jeweiligen Bevölkerung, 27 bisher komplett eigenständig und praktisch nur der jeweiligen Gemeinde verpflichtete Führungsteams, 27 nicht deckungsgleiche Konzepte der Leistungsverrechnung, 27 eigenständige, eine Region versorgende Teams von hoch qualifizierten Expertinnen und Experten aus Medizin und Pflege – die Liste ließe sich noch endlos fortsetzen.

Zahlreiche Schritte

Als das Landesklinikum Wiener Neustadt zur Holding stieß, waren bereits zahlreiche Prozesse des Zusammenwachsens in Gang und zahlreiche Reformen auf Schiene. So führte die Holding bereits im Gründungsjahr die regelmäßige Patientenbefragung ein. Waren es zum Start 4.700 Fragebögen aus 46 Stationen, sind es jetzt pro Jahr etwa 60.000 ausgefüllte Bögen. Insgesamt haben seit der ersten Befragung bereits fast eine halbe Million Menschen den Kliniken per Fragebogen Feedback gegeben. Die Patientenbefragung, die es in dem Umfang bei keinem anderen Krankenhausträger in Österreich gab, wurde mittlerweile von vielen Trägern übernommen.

Ebenso gab es bereits 2005 eine Befragung der Turnusärztinnen und -ärzte an allen damals zur Holding gehörenden Klinik-Standorten. Denn natürlich sind die jeweiligen Turnusärzte, die drei Ausbildungsjahre in den Kliniken verbringen, wichtige Mitarbeiter für die Zukunft. Die NÖ Landeskliniken-Holding erarbeitete auch sehr bald einen ganzen Katalog an verschiedenen Weiterbildungen für alle Bereiche in den Krankenhäusern, den sogenannten Bildungskatalog, der Jahr für Jahr auf über 100 Seiten Seminare und Kurse im ganzen Land anbietet. Und seit 2007 stehen ebenso Jahr für Jahr von Seiten des Landes Niederösterreich eine Million Euro für die Aus- und Weiterbildung der Ärztinnen und Ärzte in den NÖ Landeskliniken zur Verfügung, damit sie nicht auf das Sponsoring der Pharmafirmen angewiesen sind.

Service für Patientinnen und Patienten

Aber auch der Service für die Patientinnen und Patienten in den Kliniken verbesserte sich. So startete gleichzeitig mit der NÖ Landeskliniken-Holding auch das Gesundheitsmagazin des Landes NÖ, Gesund&Leben. Es liegt in den Landeskliniken, vor allem in den Ambulanzen, auf und wird mittlerweile zehn Mal pro Jahr an über 100.000 Interessierte per Post verschickt.

Ein zeitgemäßer Service ab 2006 ist die Online-Babygalerie an allen Geburtenstationen der Holding-Kliniken, über die frisch gebackene Eltern ihre Babyfotos mit Freunden und Familie teilen können. Wer als Patient ins Klinikum kommt, bekommt mittlerweile genaue Informationen über die Abläufe im Klinik-Alltag sowie über seine Behandlungen und eine spezielle Servicemappe mit allen wichtigen Informationen. Seit 2006 gibt es in den NÖ Landeskliniken auch regelmäßig den Tag der offenen Tür, der allen Interessierten ermöglicht, sich über das jeweilige Krankenhaus vor Ort ein Bild zu machen. Außerdem bekommen Besucherinnen und Besucher zahlreiche Informationen für die eigene Gesundheit und können beispielsweise wichtige Gesundheitsparameter per Schnelltest checken lassen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auch auf Informationen für Kinder. Seit 1. März 2008 ist auch das Landesklinikum Wiener Neustadt dabei.

Ein Service der Landeskliniken, der vielen Menschen seit 2007 hilft, sind die Vorträge "Treffpunkt Gesundheit": Ärztinnen und Ärzte aus den NÖ Landeskliniken halten für Interessierte Vorträge zu wichtigen Themen der Gesundheitsversorgung. Seit 2008 auch in Wiener Neustadt.

Strukturen verändern sich

Die Holding unterstützte die Landeskliniken von Anfang an mit zahlreichen Pilotprojekten, die nach erfolgreicher Testphase mit der Zeit in allen Häusern Einzug hielten. So entwickelte sich das Projekt "Entlassungsmanagement" mit dem ersten offiziellen Entlassungsmanager im kleinen Landesklinikum Gmünd: Wenn Patienten nach der Entlassung spezielle Medikamente oder Wundversorgungsmaterial für zu Hause brauchen, oder mobile Dienste, um den Alltag zu bewältigen, hilft der Entlassungsmanager bereits im Klinikum dabei, diese Unterstützungen rechtzeitig zu organisieren.

Das Landesklinikum Wiener Neustadt wächst in seine neue Rolle als wichtiges Haus in der Gesundheitsversorgung der Thermenregion und als mitgestaltende Kraft in der NÖ Landeskliniken-Holding.


Aus dem a.ö. Krankenhaus der Stadt Wiener Neustadt ist das Landesklinikum Wiener Neustadt geworden – der Schriftzug als äußerliches Zeichen steht für einen Entwicklungsprozess hin zu einem Klinikum als Baustein für die Versorgung der ganzen Region.



Familie Stocker ist vermutlich einzigartig in Österreich: Mutter Susanne und Tochter Denise drücken in der Gesundheits- und Krankenpflegeschule im Landesklinikum Wiener Neustadt gemeinsam die Schulbank, und Vater Günter chauffiert Patienten mit dem Intrahospitalbus. Susanne Stocker sieht ihre berufliche Zukunft im unfallchirurgischen Bereich, Tochter Denise in der Neonatologie – bis zu ihrem Diplom dauert es allerdings noch drei Jahre. Mutter Susanne kann schon früher durchstarten: Im März tritt sie zur Diplomprüfung an, zurzeit schreibt sie eifrig an der Diplomarbeit zum Thema "Pflege von Angehörigen".
Quelle: Gesundheitsmagazin Gesund&Leben INTERN 02/2009


Besuch der Roten Nasen auf der Dialysestation, um den Patienten die lange Behandlungszeit zu erleichtern: (v.l.) DGKP Thomas Spitzer, Stationsleiter DGKP Josef Wagner, DGKP Stefan Fuchs, Rote Nasen, DGKS Jasmin Mangold, Pflegedirektorin Dr. Evelyn Fürtinger, MAS, DGKP Alexander Pichler, DGKS Eva-Maria Gebhart



Filmkulisse für ORF-Fünfteiler "FC Rückpass"
Im Landesklinikum Wiener Neustadt werden 2009 einige Szenen für die ORF-Serie "FC Rückpass" gedreht. In der Serie mimt Kabarettist Lukas Resetarits den international erfahrenen Trainer "Tschitsche" Kovacic, der nach dem Tod des alten Vereinspräsidenten den heruntergekommenen Verein und die angeschlagene Mannschaft vor einer Blamage bewahren und wieder zum Erfolg führen soll. (v.l.) Kabarettist und Schauspieler Lukas Resetarits, Oberschwester DGKS Karin Auer (Radioonkologie) und Sicherheitsbeauftragter des Landesklinikums Wiener Neustadt Ing. Wolfgang Ferner

Die erste Entlassungsmanagerin im Landesklinikum Wiener Neustadt: DGKS Ingrid Ungersböck





Der erste Beitrag aus dem Landesklinikum Wiener Neustadt im Gesundheitsmagazin Gesund&Leben, Ausgabe 01/2008: Das Berufsbild Unfallchirurgie wird am Beispiel der Unfallabteilung mit Prim. Dr. Franz Ortner dargestellt. Noch im gleichen Jahr erscheint das Berufsbild Dermatologie in der Ausgabe 07+08/2008.



Spieler des SSC Napoli im Landesklinikum
Beim Trainingslager im Sportzentrum Lindabrunn verletzten sich zwei Spieler des SSC Napoli, Hugo Campagnaro und Gennaro Iezzo, und wurden deswegen im Landesklinikum Wiener Neustadt von Direktor Univ.-Doz. Dr. Paul Christian Hajek (li.) und Ernst Hulik (re.) untersucht. Der MR-Befund zeigte nur leichte Verletzungen, die Spieler konnten bald wieder voll ins Training einsteigen.